Kapitel 04 · Papier und Druck

Druckdaten anlegen: Beschnitt, CMYK und PDF/X erklärt

Weiße Blitzer am Rand, pixelige Logos, falsche Farben: Die meisten Druckfehler entstehen in der Datei. So legen Sie Druckdaten an, die ohne Rückfragen durchlaufen.

Druckdaten sind fertig, wenn sie vier Bedingungen erfüllen: Endformat plus Beschnitt von meist drei Millimetern je Seite, ein Sicherheitsabstand für Texte und Logos, alle Farben in CMYK mit dem Profil der Druckerei und Bilder mit rund 300 dpi in Endgröße. Exportiert wird als PDF/X mit eingebetteten Schriften. Das Datenblatt Ihrer Druckerei hat dabei immer Vorrang vor allgemeinen Regeln.

Eine kurze Übersicht steht im Kapitel Papier und Druck von A bis Z. Hier gehen wir jeden Punkt einzeln durch.

Endformat, Beschnitt und Sicherheitsabstand

Gedruckt wird auf größere Bogen, die anschließend geschnitten werden. Da der Schnitt nie ganz exakt sitzt, brauchen Drucksachen mit randabfallenden Bildern oder Hintergründen einen Beschnitt: Diese Elemente werden über das Endformat hinaus verlängert. Sonst entstehen nach dem Schneiden schmale weiße Kanten, sogenannte Blitzer.

Bereich Bedeutung Übliche Größe
Datenformat Endformat plus Beschnitt rundum z. B. A4: 216 × 303 mm
Endformat Format nach dem Schnitt z. B. A4: 210 × 297 mm
Sicherheitsabstand Zone innerhalb des Endformats ohne wichtige Inhalte meist 3 bis 5 mm

Legen Sie das Dokument im Layoutprogramm direkt im Endformat an und tragen Sie den Beschnitt in den Dokumenteinstellungen ein. Hilfslinien für den Sicherheitsabstand erleichtern die Arbeit. Texte, Logos, Telefonnummern und QR-Codes gehören immer in den sicheren Bereich, nur Hintergründe und Bilder laufen in den Beschnitt.

Schnittmarken verlangen manche Druckereien, andere ausdrücklich nicht. Auch das steht im Datenblatt.

Farbraum: CMYK statt RGB

Bildschirme mischen Farben aus Licht in RGB, der Offset- und Digitaldruck aus den Farben Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz in CMYK. Der druckbare Farbraum ist kleiner. Leuchtende Grün-, Blau- und Orangetöne aus dem RGB-Farbraum lassen sich im Druck nicht exakt erreichen und wirken matter.

Welche CMYK-Werte eine Farbe auf dem Papier ergibt, beschreibt ein Farbprofil. Für die Druckerei ist deshalb nicht nur CMYK wichtig, sondern das richtige Profil:

Papier Häufig verwendetes Profil
Gestrichenes Papier (Bilderdruck) PSO Coated v3 (FOGRA51), bei älteren Vorgaben ISO Coated v2 (FOGRA39)
Ungestrichenes Papier (Naturpapier) PSO Uncoated v3 (FOGRA52)

Wandeln Sie Bilder und Farben mit dem Profil um, das die Druckerei nennt. Für exakte Firmenfarben gibt es Sonderfarben wie Pantone oder HKS. Sie werden mit eigener Farbe gedruckt und müssen in der Datei korrekt benannt sein. Fragen Sie vorher, ob Ihr Druckverfahren Sonderfarben unterstützt, im Digitaldruck werden sie meist in CMYK umgerechnet.

Merksatz

Ein kalibrierter Bildschirm hilft, ersetzt aber keinen Andruck. Wenn Farben wirklich wichtig sind, lassen Sie sich einen farbverbindlichen Proof erstellen.

Gesamtfarbauftrag

Werden alle vier Farben zu je 100 Prozent übereinander gedruckt, ergibt das 400 Prozent Farbauftrag. So viel Farbe trocknet schlecht, kann abfärben und das Papier wellen. Druckereien geben deshalb einen Höchstwert vor, der je nach Papier und Verfahren meist deutlich unter 400 Prozent liegt. Beim Umwandeln mit dem richtigen Profil wird der Wert für Bilder automatisch begrenzt. Bei selbst definierten Farbflächen müssen Sie ihn selbst im Blick behalten.

Schwarz ist nicht gleich Schwarz

  • Texte in 100 Prozent Schwarz (K) anlegen, ohne Anteile anderer Farben. Kleine Schrift aus vier Farben druckt sonst leicht unscharf.
  • Große schwarze Flächen wirken mit reinem K oft grau. Druckereien empfehlen dafür ein Tiefschwarz mit unterlegten Farbanteilen; die genauen Werte stehen im Datenblatt.
  • Schwarzer Text auf farbigem Grund wird in der Regel überdruckend ausgegeben, damit keine weißen Ränder entstehen. Weiße Elemente dürfen dagegen nie auf Überdrucken stehen, sonst verschwinden sie.

Auflösung von Bildern und Grafiken

Fotos brauchen in der tatsächlichen Druckgröße etwa 300 dpi. Entscheidend ist die effektive Auflösung: Ein Bild mit 300 dpi, das im Layout auf das Doppelte vergrößert wird, hat nur noch 150 dpi. Bilder aus dem Internet oder Vorschaubilder reichen fast nie. Strichzeichnungen ohne Graustufen, etwa eingescannte Unterschriften, brauchen eine deutlich höhere Auflösung.

Logos, Symbole und Pläne gehören als Vektorgrafik in die Datei, etwa als SVG, EPS, AI oder PDF. Vektoren lassen sich ohne Qualitätsverlust beliebig vergrößern. Ein Logo als kleines JPG ist einer der häufigsten Gründe für Rückfragen der Druckerei.

Schriften, Linien und Mindestgrößen

Schriften müssen im PDF eingebettet sein, sonst ersetzt der Drucker sie durch eine andere. Beim PDF/X-Export geschieht das automatisch, sofern die Lizenz der Schrift das Einbetten erlaubt. Sehr feine Linien, sogenannte Haarlinien, können im Druck wegbrechen; Druckereien nennen eine Mindeststärke. Negative Schrift, also helle Schrift auf dunklem Grund, sollte nicht zu klein und nicht zu dünn sein, weil die Farbe sonst zuläuft.

Export als PDF/X

PDF/X ist eine Familie von PDF-Standards für den Datenaustausch in der Druckvorstufe. Sie legen fest, dass alle Schriften eingebettet sind, Farben eindeutig beschrieben werden und das Endformat definiert ist.

Standard Eigenschaften
PDF/X-1a nur CMYK und Sonderfarben, keine Transparenzen, sehr robust
PDF/X-3 erlaubt farbverwaltete Daten mit Profilen, keine Transparenzen
PDF/X-4 erlaubt Transparenzen, Ebenen und Farbprofile, heute weit verbreitet

Wählen Sie im Exportdialog das von der Druckerei genannte Format, aktivieren Sie den Beschnitt und gegebenenfalls Schnittmarken. Viele Layoutprogramme bringen fertige Exportvorgaben mit. Manche Druckereien stellen eigene Exporteinstellungen zum Herunterladen bereit. Öffnen Sie das fertige PDF anschließend in einem Programm mit Preflight-Funktion oder zumindest in einem PDF-Betrachter und prüfen Sie Format, Beschnitt und Schriften.

Mit welchem Programm?

Für Druckdaten eignen sich Layoutprogramme, die Beschnitt, CMYK, Farbprofile und PDF/X beherrschen. Verbreitet sind Adobe InDesign im Abo, Affinity Publisher mit einmaligem Kauf und das quelloffene, kostenlose Scribus. Für Logos und Grafiken kommen Vektorprogramme wie Illustrator, Affinity Designer oder Inkscape hinzu. Viele Online-Druckereien bieten außerdem Gestaltungswerkzeuge im Browser, die Format und Beschnitt automatisch richtig anlegen. Office-Programme sind für den professionellen Druck die schlechteste Wahl, weil sie in RGB arbeiten und keinen sauberen Beschnitt kennen.

Die häufigsten Fehler

  • Beschnitt vergessen: Hintergründe enden genau am Endformat, nach dem Schnitt blitzt Weiß.
  • Logo als kleines JPG: am Bildschirm scharf, im Druck pixelig.
  • RGB-Datei ohne Umwandlung: Die Druckerei wandelt automatisch um, Farben verschieben sich unkontrolliert.
  • Text zu nah am Rand: Telefonnummer oder Webadresse werden angeschnitten.
  • Mehrere Dateien für ein Produkt: Vorder- und Rückseite gehören in der Regel in eine PDF-Datei mit der richtigen Seitenreihenfolge.

Checkliste vor dem Hochladen

Checkliste: Druckdaten prüfen

  • Datenblatt der Druckerei gelesen, Endformat und Beschnitt stimmen
  • Texte, Logos und QR-Codes im Sicherheitsabstand
  • Alle Farben CMYK oder korrekt benannte Sonderfarben, Profil nach Vorgabe
  • Effektive Bildauflösung um 300 dpi, Logos als Vektor
  • Text in 100 Prozent Schwarz, weiße Elemente nicht überdruckend
  • Schriften eingebettet, keine Haarlinien unter der Mindeststärke
  • Export als PDF/X in der geforderten Version, eine Datei pro Auftrag
  • PDF in Endgröße geprüft, Seitenreihenfolge bei gefalzten Produkten kontrolliert

Viele Online-Druckereien prüfen hochgeladene Dateien automatisch. Eine solche Prüfung erkennt technische Fehler wie fehlenden Beschnitt oder zu geringe Auflösung, aber keine Tippfehler, falschen Telefonnummern oder vertauschten Seiten. Lesen Sie den Korrekturabzug deshalb gründlich.

Bei gefalzten Produkten kommt die richtige Seitenaufteilung hinzu; Details dazu stehen im Artikel Flyer gestalten. Großformate wie Rollups und Banner haben eigene Vorgaben zu Maßstab und Auflösung, die der Artikel Messestand planen aufgreift. Weitere Fachbegriffe von Proof bis Sonderfarbe erklärt das Glossar.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Wie viel Beschnitt brauche ich?
Bei den meisten Druckereien sind es drei Millimeter je Seite, bei manchen zwei. Großformate, Bücher oder Verpackungen können mehr verlangen. Eine Visitenkarte im Endformat 85 × 55 mm wird mit drei Millimetern Beschnitt also als 91 × 61 mm angelegt.
Kann ich Druckdaten in Word oder PowerPoint erstellen?
Für einfache Drucksachen im Digitaldruck ist das manchmal möglich, aber fehleranfällig. Office-Programme arbeiten in RGB, kennen keinen Beschnitt im eigentlichen Sinn und exportieren kein echtes PDF/X. Besser geeignet sind Layoutprogramme wie InDesign, Affinity Publisher oder das kostenlose Scribus. Viele Online-Druckereien bieten außerdem Gestaltungswerkzeuge im Browser an.
Welches PDF/X soll ich wählen?
Das, was Ihre Druckerei verlangt. PDF/X-4 ist heute verbreitet, weil es Transparenzen und Ebenen erhält und Farben über Profile verwaltet. PDF/X-1a ist älter, erlaubt nur CMYK und Sonderfarben und reduziert Transparenzen. PDF/X-3 liegt dazwischen. Steht nichts im Datenblatt, fragen Sie nach.
Warum sieht mein Schwarz im Druck grau aus?
Reines Schwarz aus 100 Prozent K wirkt auf großen Flächen oft etwas flau. Für große schwarze Flächen empfehlen Druckereien deshalb ein Tiefschwarz, bei dem Anteile anderer Farben unterlegt werden. Für Texte bleibt reines Schwarz die richtige Wahl, weil es scharf und ohne Passerprobleme druckt.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Werbe-Wissen. Fehler gefunden?Schreiben Sie uns.