Corporate Design für kleine Unternehmen: Was gehört in den Styleguide?
Ein Styleguide hält fest, wie Logo, Farben, Schriften, Bilder und Sprache eingesetzt werden. Welche Inhalte kleine Betriebe wirklich brauchen, wie detailliert sie sein sollten und wie das Dokument aktuell bleibt.
Ein Styleguide für ein kleines Unternehmen hält auf wenigen Seiten fest, wie Logo, Farben, Schriften, Bilder und Sprache eingesetzt werden, und zeigt das an Beispielen. Er braucht keine hundert Seiten, sondern eindeutige Regeln für die Fälle, die im Alltag wirklich vorkommen: Angebot, Visitenkarte, Website, Social-Media-Beitrag, Fahrzeug und Schild. Die Grundbausteine eines Erscheinungsbilds beschreibt das Kapitel Corporate Design. Hier geht es darum, wie Sie diese Bausteine so dokumentieren, dass andere sie richtig anwenden.
Wofür ein Styleguide im Alltag sorgt
Ohne schriftliche Regeln verändert sich ein Erscheinungsbild schleichend. Eine Mitarbeiterin wählt für den Flyer ein etwas helleres Blau, die Werbetechnik zieht das Logo für das Fahrzeug in die Breite, und auf der Website taucht eine dritte Schrift auf. Jede Abweichung ist klein, zusammen schwächen sie die Wiedererkennung.
Ein Styleguide beantwortet solche Fragen, bevor sie entstehen. Er spart Rückfragen bei Dienstleistern, macht Sie unabhängiger von einzelnen Personen und dient als Grundlage, wenn Sie Angebote für Druck, Beschriftung oder Webdesign vergleichen.
Die Inhalte im Einzelnen
Logo: Varianten, Schutzzone, Mindestgröße
Zeigen Sie jede Logovariante mit ihrem Einsatzzweck: farbig auf Weiß, einfarbig dunkel, einfarbig weiß auf dunklem Grund und die kompakte Fassung für kleine Flächen. Welche Logoart Sie haben und welche Varianten sich daraus ergeben, erklärt der Artikel Wortmarke, Bildmarke, Wort-Bild-Marke.
Zwei Regeln verhindern die häufigsten Fehler:
- Die Schutzzone legt fest, wie viel Abstand andere Elemente zum Logo halten. Praktisch ist eine Angabe, die mit dem Logo mitwächst, etwa die Höhe eines bestimmten Buchstabens im Schriftzug.
- Die Mindestgröße nennt die kleinste Breite, bei der das Logo noch lesbar ist, getrennt für Druck in Millimetern und Bildschirm in Pixeln.
Ergänzen Sie eine Seite mit verbotenen Anwendungen: verzerren, drehen, umfärben, mit Schatten oder Kontur versehen, auf unruhige Fotos setzen. Ein Bild sagt hier mehr als jeder Satz.
Farben mit allen Werten
Jede Farbe erhält ein Farbfeld und eine Zeile mit allen Werten. Fehlt ein Wert, wird er von jedem Dienstleister anders geschätzt.
| Farbe | Einsatz | CMYK | Sonderfarbe | RGB | HEX |
|---|---|---|---|---|---|
| [Hauptfarbe] | Logo, Überschriften, Flächen | [C M Y K] | [Pantone oder HKS] | [R G B] | [#XXXXXX] |
| [Akzentfarbe] | Hervorhebungen, Schaltflächen | [C M Y K] | [Pantone oder HKS] | [R G B] | [#XXXXXX] |
| [Textfarbe] | Fließtext | [C M Y K] | entfällt | [R G B] | [#XXXXXX] |
| [Hintergrund] | Flächen, Kästen | [C M Y K] | entfällt | [R G B] | [#XXXXXX] |
Notieren Sie außerdem, welche Farbkombinationen für Text zulässig sind. Eine helle Akzentfarbe kann als Fläche schön wirken und als Schrift auf Weiß trotzdem zu wenig Kontrast haben. Wie Farben wirken und welche zur Branche passen, beschreibt der Artikel zur Farbpsychologie im Branding. Für Folien und Lacke ergänzen Sie gegebenenfalls einen RAL-Ton oder die Farbnummer der verwendeten Folie.
Typografie: Schriften und Hierarchie
Nennen Sie die Hausschrift mit den erlaubten Schnitten, die Lizenz und eine Ersatzschrift für Textverarbeitung und E-Mail. Wie Sie eine passende Schrift auswählen und worauf Sie bei Druck- und Weblizenzen achten, steht im Artikel Hausschrift wählen.
Wichtiger als die Schrift selbst ist die Hierarchie. Legen Sie fest, wie Überschriften, Zwischenüberschriften, Fließtext und Kleingedrucktes aussehen:
| Ebene | Schnitt | Größe Druck | Größe Web | Hinweis |
|---|---|---|---|---|
| Überschrift 1 | [z. B. Bold] | [pt] | [px oder rem] | höchstens einmal pro Seite |
| Überschrift 2 | [z. B. Semibold] | [pt] | [px oder rem] | gliedert Abschnitte |
| Fließtext | [Regular] | [pt] | [px oder rem] | Zeilenabstand [Faktor] |
| Kleingedrucktes | [Regular] | [pt] | [px oder rem] | nicht kleiner als [Wert] |
Bildsprache
Beschreiben Sie in wenigen Sätzen, wie Fotos wirken sollen: hell oder kontrastreich, mit Menschen oder sachlich, aus der Werkstatt oder inszeniert. Zeigen Sie je drei Beispiele für passende und unpassende Motive. Halten Sie fest, wo die Bilder liegen und welche Nutzungsrechte gelten. Gerade bei Fotos aus Shootings ist oft unklar, ob sie auch für Anzeigen oder Plakate verwendet werden dürfen.
Sprache und Schreibweisen
Ein Erscheinungsbild ist nicht nur visuell. Klären Sie, ob Sie Kundinnen und Kunden duzen oder siezen, wie Ihr Firmenname geschrieben wird, ob mit oder ohne Rechtsform, in welcher Form Telefonnummern und Uhrzeiten erscheinen und welche Begriffe Sie bewusst verwenden oder meiden. Eine kurze Liste mit Beispielen genügt.
Anwendungen und Vorlagen
Zum Schluss zeigen Musterseiten, wie alles zusammenwirkt: Briefbogen, Visitenkarte, E-Mail-Signatur, Angebotsvorlage, Website-Ausschnitt, Social-Media-Beitrag, Fahrzeug und Schild. Wichtiger als hübsche Abbildungen sind die passenden Vorlagendateien, mit denen im Alltag gearbeitet wird.
Muster: Gliederung eines Styleguides auf 12 Seiten
- Titel und Stand: [Name des Betriebs], Version [1.0], Datum [TT.MM.JJJJ]
- Wofür wir stehen: drei bis fünf Sätze zu Angebot, Zielgruppe und gewünschter Wirkung
- Logo: Varianten und Einsatzzweck
- Logo: Schutzzone, Mindestgröße, verbotene Anwendungen
- Farben: Farbfelder mit allen Werten und erlaubten Kombinationen
- Typografie: Hausschrift, Ersatzschrift, Hierarchie
- Bildsprache: passende und unpassende Beispiele
- Sprache: Anrede, Schreibweisen, Tonalität
- Geschäftsausstattung: Briefbogen, Visitenkarte, Signatur
- Digital: Website, Social Media, Profilbild
- Außen: Schild, Fahrzeug, Fenster, Arbeitskleidung
- Dateien und Ansprechpartner: Ablageort, Dateiformate, wer Fragen beantwortet
Wie detailliert muss es sein?
Die richtige Tiefe hängt davon ab, wer den Styleguide nutzt. Arbeiten nur Sie selbst und eine feste Druckerei damit, reichen die Grundregeln. Erstellen mehrere Mitarbeitende regelmäßig Materialien, lohnen sich genauere Vorgaben für Vorlagen und Social Media.
Vergleich: Kurzfassung und ausführlicher Styleguide
Kurzfassung (2 bis 4 Seiten)
Logo, Farben, Schrift und Ablageort auf einen Blick. Gut für Einzelunternehmen und als Beilage für Dienstleister. Schnell erstellt und leicht aktuell zu halten.
Ausführlich (10 bis 20 Seiten)
Zusätzlich Bildsprache, Sprache, Rasterregeln und Musteranwendungen. Sinnvoll, wenn mehrere Personen gestalten oder Filialen, Fahrzeuge und Arbeitskleidung einheitlich aussehen sollen.
Ein guter Kompromiss ist eine ausführliche Fassung für die Ablage und eine einseitige Kurzfassung, die Sie jedem Auftrag beilegen.
Dateiablage: der unterschätzte Teil
Ein Styleguide nützt wenig, wenn die Dateien fehlen. Legen Sie einen zentralen Ordner an, auf den alle Beteiligten zugreifen können, mit einer festen Struktur:
- Logo: Vektordateien als SVG und PDF, dazu PNG mit transparentem Hintergrund in mehreren Größen, jeweils für alle Varianten
- Farben: Farbpalette als Datei für gängige Programme oder schlicht als Textdatei mit allen Werten
- Schriften: Lizenznachweis und, soweit die Lizenz es erlaubt, die Schriftdateien
- Vorlagen: Briefbogen, Angebot, Präsentation, Social-Media-Formate
- Bilder: freigegebene Fotos mit Angaben zu Urheber und Nutzungsrechten
Benennen Sie Dateien eindeutig, zum Beispiel mit Name, Variante und Farbraum. So greift niemand versehentlich zur RGB-Datei, wenn eine Druckerei CMYK braucht.
Den Styleguide aktuell halten
Ein Styleguide ist kein einmaliges Projekt. Vermerken Sie auf der Titelseite eine Versionsnummer und das Datum der letzten Änderung. Prüfen Sie ihn einmal im Jahr: Gibt es neue Anwendungen wie ein Fahrzeug oder einen neuen Social-Media-Kanal? Haben sich Kontaktdaten geändert? Wurden Regeln immer wieder umgangen, weil sie unpraktisch sind? Dann ist die Regel womöglich das Problem.
Wenn sich das Erscheinungsbild grundlegend ändert, etwa nach einer Fusion oder einem Generationswechsel, ist eine Überarbeitung des gesamten Dokuments fällig. Bis dahin genügen kleine, dokumentierte Ergänzungen.
Checkliste: Ist Ihr Styleguide vollständig?
- Alle Logovarianten mit Einsatzzweck, Schutzzone und Mindestgröße
- Jede Farbe mit CMYK-, RGB- und HEX-Wert, bei Bedarf Sonderfarbe und RAL
- Erlaubte Farbkombinationen für Text mit ausreichendem Kontrast
- Hausschrift mit Lizenz, Ersatzschrift und Hierarchie
- Bildsprache mit Beispielen und Hinweis auf Nutzungsrechte
- Anrede und Schreibweise des Firmennamens
- Musteranwendungen und Vorlagendateien
- Ablageort, Version und Ansprechpartner
Fragen und Antworten
- Wie lang sollte ein Styleguide für einen kleinen Betrieb sein?
- So kurz wie möglich, so lang wie nötig. Zehn bis zwanzig Seiten genügen meist, wenn jede Seite eine klare Regel mit Beispiel zeigt. Ein langes Dokument, das niemand liest, schützt das Erscheinungsbild schlechter als eine kompakte Übersicht, die neben der Kaffeemaschine hängt.
- Wer sollte den Styleguide bekommen?
- Alle, die etwas im Namen des Betriebs gestalten oder bestellen: Mitarbeitende, die Angebote und Social-Media-Beiträge erstellen, Druckerei, Werbetechnik, Webdesign und gegebenenfalls Vereine oder Partner, die Ihr Logo verwenden. Geben Sie dazu immer den Ordner mit den Originaldateien weiter.
- Was ist der Unterschied zwischen Styleguide und Brand Book?
- Die Begriffe werden nicht einheitlich verwendet. Meist meint Styleguide die gestalterischen Regeln, also Logo, Farben, Schrift und Layout. Ein Brand Book beschreibt zusätzlich Werte, Positionierung und Tonalität der Marke. Für kleine Betriebe lohnt es sich, beides in einem Dokument zu verbinden.
- Kann ich einen Styleguide selbst erstellen?
- Ja. Wenn Logo, Farben und Schrift bereits feststehen, lässt sich ein einfacher Styleguide mit einem Layout- oder Präsentationsprogramm selbst anlegen. Schwierig wird es, wenn Farbwerte für Druck und Bildschirm fehlen oder das Logo nur als Pixelbild vorliegt. Dann sollte zuerst eine Gestalterin oder ein Gestalter die Grundlagen sauber aufbereiten.
Weiterlesen
- Hausschrift
Eine Hausschrift prägt jedes Schreiben, jede Anzeige und die Website. Wie Sie eine Schrift auswählen, die zum Betrieb passt, gut lesbar ist und deren Lizenz alle Einsätze abdeckt.
- Farbpsychologie
Blau für Vertrauen, Grün für Natur? Was an der Farbpsychologie dran ist, welche Farben in Branchen üblich sind und wie Sie eine Hausfarbe wählen, die auffällt und lesbar bleibt.
- Logoarten
Nur Schrift, nur Zeichen oder beides: Was Wortmarke, Bildmarke und Wort-Bild-Marke unterscheidet, welche Logoart zu einem kleinen Betrieb passt und was das für den Markenschutz bedeutet.
Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Werbe-Wissen. Fehler gefunden?Schreiben Sie uns.